Pionierinnen und Pioniere der modernen Küche

Apr. 2026
  • Wer unsere Küchen bis heute prägte

  • Wie das Arbeitsdreieck in die Küche kam

  • Wer den Vorläufer der Einbauküche entwickelte

A kitchen blending rustic and modern styles, featuring a traditional stone hearth with fire on one side and sleek cabinetry on the other.

Menschen kochen seit Jahrtausenden. Aber unsere Küchen haben sich stark verändert: Vom Lagerfeuer bis zur modernen Einbauküche war es ein langer Weg. Viele haben zu dieser beeindruckenden Entwicklung beigetragen, sechs besondere Pionierinnen und Pioniere holt Blum Inspirations stellvertretend vor den Vorhang: François de Cuvilliés, Friedrich Wilhelm Schindler, Maria Susanne Kübler, Frederick Winslow Taylor, Lillian Evelyn Gilbreth und Margarete Schütte-Lihotzky.

Die Amalienburg inmitten eines Parks in München.

In der Amalienburg in München installierte François de Cuvilliés der Ältere den ersten Castrol-Herd.

Küche ohne Rauch: François de Cuvilliés der Ältere 

Wir schreiben das Jahr 1735. Gekocht wird hauptsächlich über offenem Feuer. Rauch und Brandgefahr sind in den Küchen allgegenwärtig, ebenso wie Ruß – man sprach deshalb auch von der sogenannten "Schwarzküche". François de Cuvilliés der Ältere sollte das ändern: Er entwickelte den sogenannten Castrol-Herd. Der Name kommt vom französischen Casserole für Kochtopf und der Name ist Programm: Es handelte sich um den ersten ummauerten Kochherd mit durchlöcherter Eisenplatte, auf der die Topfe standen. Auch ein Rauchfang war integriert.

Der Herd wurde erstmals in der von de Cuvilliés entworfenen Amalienburg eingebaut, einem Lustschloss im Schlosspark Nymphenburg im Westen von München. De Cuvilliés war in erster Linie Baumeister, nicht Erfinder, und zeichnete für einige deutsche Rokoko-Bauwerke verantwortlich, für die er heute vor allem bekannt ist. Diese entwarf er für die Oberschicht, darum sollte es noch einige Jahre dauern, bis sich sein Konzept eines Ofens in den Küchen des Volks wiederfand. Das Prinzip überzeugte aber nachhaltig bis heute und sorgt für saubere, rauchfreie Küchen

Ein Porträtfoto von Friedrich Wilhelm Schindler

Elektrizität in der Küche: Friedrich Wilhelm Schindler

Mehr als 150 Jahre nach François de Cuvilliés Erfindung wird der nächste Schritt zur modernen Küche von einem Vorarlberger gesetzt: Friedrich Wilhelm Schindler stellt 1893 die erste elektrische Küche vor – inklusive des ersten Elektroherds. Auf der Weltausstellung in Chicago gibt es dafür sogar die Goldmedaille. In den Küchen sollte sich die Elektrizität allerdings erst in den kommenden Jahrzehnten nach und nach durchsetzen. Die Infrastruktur war damals noch nicht flächendeckend verfügbar – Schindler war seiner Zeit weit voraus.

Übrigens war die Elektrizität etwas, das ihn auch außerhalb der Küche faszinierte: So kaufte er bereits 1881 in Paris einen Edisonschen Stromgenerator und erleuchtete in Kennelbach die ersten Glühlampen Österreichs

Eine Porträtzeichnung von Maria Susanne Kübler

Basis der Hauswirtschaft: Maria Susanne Kübler

Auf eine andere Art prägte die Autorin Maria Susanne Kübler die Küchen: Mit ihrem Buch "Das Hauswesen" schuf die gebürtige Schweizerin 1850 das damalige Standardwerk für die Hausfrau. Das Werk wurde 17 Mal neu aufgelegt und begeisterte bis ins frühe 20. Jahrhundert als praktischer Ratgeber vor allem im deutschsprachigen Raum. Neben einem Kochbuch beinhaltete "Das Hauswesen" auch Tipps für den Gemüsegarten oder die Krankenpflege. Kübler selbst war dabei nicht nur Hausfrau und Autorin, sondern sprach vier Sprachen und war als Übersetzerin und Lehrerin tätig.

Sie beschreibt in ihrem Buch zwar keine Neuentdeckungen, trägt ihre Erkenntnisse aber in die Breite. Für uns heute ist vor allem interessant, wie spärlich die Küchen zu dieser Zeit eingerichtet waren, wie Kübler in ihrem Buch beschreibt: Ein Küchenschrank, ein Kasten mit Schubladen, ein starker Küchentisch mit einer Schublade, Stühle, Schemel und ein kleiner Spiegel. Aber mit dem Kasten mit Schubladen beschreibt sie hier bereits den Vorläufer unseres heutigen übersichtlichen Vorratsschranks, der sich so gut wie in jeder Küche wiederfinden sollte.

Porträtfoto von Frederick Winslow Taylor
Arbeiter gehorchen ähnlichen Gesetzen wie Teile einer Maschine.Frederick Winslow Taylor

Begründer der Arbeitswissenschaft: Frederick Winslow Taylor

Frederick Winslow Taylor hatte auf den ersten Blick recht wenig mit Küchen zu tun. Als echtes Multitalent wurde der Ingenieur als Erfinder des Schnellarbeitsstahls bekannt, forschte als einer der ersten zur Zerspanung und belegte bei den Olympischen Sommerspielen in Paris 1900 den vierten Platz im Herren-Einzelbewerb für Golf. Er gilt aber auch als einer der wichtigsten Begründer der Arbeitswissenschaften, oft wird darum auch von "Taylorismus" gesprochen.

Arbeitswissenschaften betrachten Arbeitsabläufe unter Berücksichtigung unterschiedlicher Faktoren. Ziel ist es dabei, den maximalen Erfolg mit den vorhandenen Mitteln zu erzielen. Zwar bezogen sich seine Erkenntnisse vor allem auf den industriellen Bereich, die Prinzipien lassen sich aber auf viele andere Gebiete umlegen – auch auf die Küche.  Dies sollte bald Auswirkungen auf die Küchenplanung haben, wie wir heute sie kennen. 

Porträtfoto von Lillian Evelyn Gilbreth

Erfinderin des "Küchenarbeitsdreiecks": Lillian Evelyn Gilbreth

Lillian Evelyn Gilbreths Biografie ist gespickt von Highlights: Sie war eine der ersten weiblichen Ingenieurinnen in den USA, die einen Ph.D. (wissenschaftlichen Doktortitel) erhielt, arbeitete als Universitätsprofessorin, war als Beraterin für mehrere amerikanische Präsidenten tätig und gilt als „The First Lady of Engineering“. In den 1940ern gelang ihr mit dem von ihr bezeichneten "circular routing" eine entscheidende Entdeckung: Sie erarbeitete eine Lösung, die heute als das "Arbeitsdreieck" bekannt ist und Wege in der Küche auf ein Minimum reduziert. Nach diesem Prinzip werden auch noch heute Küchen weltweit geplant. 

Arbeitsabläufe und Erfindungen testete sie übrigens oft in ihrem durchaus lebendigen Haushalt – Lillian Evelyn Gilbreth hatte 12 Kinder. Das zum Teil autobiografische Buch ihrer Kinder Frank und Ernestine "Im Duzend billiger", das ihr Familienleben schildert, wurde sogar von Hollywood verfilmt. Außerdem war sie als Erfinderin tätig, wir haben ihr sowohl den elektrischen Mixer als auch den Mülleimer, der sich via Pedal öffnen lässt, zu verdanken. 

Zeichnung von Margarete Schütte-Lihotzky von Lino Salini
Ich habe begriffen, dass Architektur nicht nur die äußere Form ist, sondern Inhalt, dass sie gesellschaftliche und wirtschaftliche Grundlagen hat.Margarete Schütte-Lihotzky

Die Frankfurter Küche: Margarete Schütte-Lihotzky

Basierend auf Frederick Winslow Taylors Erkenntnissen entwickelte die österreichische Architektin Margarete Schütte-Lihotzky die sogenannte "Frankfurter Küche". Diese gilt als die Vorläuferin der modernen Einbauküche und wurde um 1925 für das große Siedlungsprojekt "Neues Frankfurt" mit mehr als 10.000 Wohnungen konzipiert – daher auch der Name. Durch die hohe Stückzahl, in der die Küche produziert wurde, konnte sie kosteneffizient hergestellt werden. Die "Frankfurter Küche" ist klein und für eine Person ausgelegt, darum wirkt sie eher eng. Dafür wurde die Effizienz in den Vordergrund gerückt: Alles sollte mit einem Handgriff erreichbar sein. Charakteristisch war, dass Vorräte in mehreren kleinen Schütten – also mehreren spitzzulaufenden kleinen Schubladen – gelagert wurden, was sich auf Dauer jedoch nicht durchsetzen sollte. 

Margarete Schütte-Lihotzky war übrigens auch in anderen Bereichen eine echte Pionierin: Sie war 1915 eine der ersten Frauen in Österreich die Architektur studierte und eine der ersten, die diesen Beruf auch ausübte. Heute gilt sie als eine der wichtigsten Figuren der jüngeren Architekturgeschichte, sowohl in Wien als auch in Frankfurt sind mehrere Straßen und Plätze nach ihr benannt. Nach ihrem Tod, kurz vor ihrem 103. Geburtstag, erhielt sie ein Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof. 

Eine Frau wird bei der Küchenbenutzung gefilmt

Bedürfnisforschung bei Blum

Blum wandert auf den Pfaden, die diese Pionierinnen und Pioniere für uns geebnet haben. Mit internen Studien und Produkttests, Küchennutzungsbeobachtungen und Experimenten im AgeExplorer® einem Anzug für die Alterssimulation – gewinnt der Beschlägehersteller empirische Erkenntnisse. Trendbeobachtung und Kundenimpulse dienen als zusätzliche Informationsquelle. Mit den Ergebnissen aus dieser Forschung entwickelt Blum funktionale Möbelideen, die einen echten Mehrwert bieten, indem sie die Bedürfnisse und Anforderungen echter Nutzerinnen und Nutzer aufgreifen und sie reibungslos in alltägliche Abläufe einfügen. 

Die Pionierinnen und Pioniere auf einen Blick:

  • François de Cuvilliés der Ältere entwickelte 1735 den ummauerten Castrol-Herd für Töpfe

  • Friedrich Wilhelm Schindler stellte auf der Weltausstellung 1893 die erste elektrische Küche vor

  • Maria Susanne Kübler beschreibt 1850 in ihrem Standardwerk "Die Hauswirtschaft" den Vorgänger des modernen Vorratsschranks mit Schubladen

  • Frederick Winslow Taylor begründet um 1900 die moderne Arbeitswissenschaft

  • Lillian Evelyn Gilbreth entwickelt 1940 das Arbeitsdreieck für die Küche

  • Margarete Schütte-Lihotzky gestaltet 1925 mit der Frankfurter Küche den Vorläufer der modernen Einbauküche

Sie haben Fragen und Ideen?

Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.
Sandra Schulz
Zum Kontaktformular